Unsere Tage in Tentena

Unsere Tage in Tentena

Noni aus dem Victory Guesthouse entpuppte sich nicht nur als netteste Person Indonesiens sondern auch als eine hervorragende Informationsquelle. Unser Deluxe Zimmer, einfach aber mit Warmwasser und einem schönen Gemeinschaftsbereich. Wir können gar nicht oft genug betonen wie wohl wir uns bei Noni + Familie fühlten. Wir haben bei Noni die Seele baumeln lassen und ein wenig Reiseplanung betrieben. Was geht hier noch so…. ?  Für einen Tag mieteten wir uns einen Scooter ( IDR 100.000 ) und machten damit die Gegend unsicher. Von Noni erhielten wir einen Zettel mit vielen nützlichen Information sowie den Sehenswürdigkeiten von Tentena. Dazu kam dann noch einiges an Handgeschreibsel dazu, denn wir hatten ja auch noch ein paar Fragen. Zunächst ging es zum ca. 12 Kilometer entfernten Saluopo Wasserfall. Der wurde von Noni nur beiläufig erwähnt „ nach dem Motto „ da isn Wasserfall „ wir dachten, OK ein weiterer Wasserfall auf unserer Liste. Dort angekommen – Eintritt ganze IDR 20.000 – erwartete uns eine Überraschung. Nicht nur eine intakte Infrastruktur gibt es hier ( Wege, Sitzmöglichkeiten, Toiletten ) auch der Wasserfall war mega geil. Nicht einfach so runter vom Berg, nein das Wasser strömte über insgesamt 12 Kaskaden. In vielen darunterliegenden Pools konnte man auch baden ( uns war es zu kalt ;-)). Ein weitere Sehenswürdigkeit ist der See von Tentena. Aktuell gibt es wohl keine Rundfahrten auf dem See, aber der See verfügt über kleine Strandabschnitte. Die Strandabschnitte sind meistens von irgendwelchen Resort „ belegt „  Es hat aber keiner was dagegen – war eh nichts los – wenn man einfach in das Resort spaziert und sich an den Strand setzt. Wir verbrachten den Nachmittag am See und badeten auch ein wenig. Immer am Sonnabend – und wir waren zufällig auch an einem Sonnabend in Tentena – gibt es eine Aufführung der Schule. Noni legte uns einen Besuch nahe, denn eine Nicht sollte an diesem Abend auftreten. Es sollte um 19:00 Ihr losgehen, wir gingen um 20:00 Uhr los und warteten noch 15 Minuten. Eben typisch Indonesien, wir lieben es. Nach der Tanzaufführung baten uns die beiden Moderatoren auf die Bühne. Da standen wir dann uns durften uns vorstellen, bekamen dann noch Strohhütte aufgesetzt. Das war natürlich genau unser Ding. Wir wollten uns schon aus dem Staub machen, wurden aber aufgehalten, denn wir sollten unbedingt noch den Tentena Tanz mitmachen.   Die Kinder nahmen uns an die Hand und so tanzten wir im Kreis mit immer wiederholenden Schrittfolgen. Dazu wurde indonesische Popmusik gespielt. Nach weiteren 20 Minuten war – gefühlt – das ganze Dorf auf den Beinen. Nach weiteren 30 Minuten ging uns die Puste aus. 3 Nächte und 2 volle Tage in Tentena, wir fanden es geil.

Reisetag von Rantepao nach Tentena

Reisetag von Rantepao nach Tentena

Der heutige Tag stand ganz im Sternzeichen des Kilometerfressers. Es galt heute wahnsinnige 350 Kilometer zu bewältigen. Mit im Gepäck war der Udo, den wir in Rantepao kennengelernt haben. Abfahrt indonesische Sommerzeit 07:30 Uhr, so wirklich los ging es eine Stunde später. Die Strecke legten wir in einer Rekordzeit von 13,5 Stunden zurück. Für die Rechenfreaks, das sind fast 26 Kilometer die Stunde, Wahnsinn.

Am Busterminal angekommen ging es dann per Taxi zum Victory Guesthouse. Udo ist mit dem eigenen Fahrrad unterwegs und kommt dann nach. Im Victory Guesthouse angekommen fühlten wir uns gleich super super wohl, denn die Noni ist wohl das netteste Wesen von ganz Sulawesi. Tentena ist für die meisten nur eine Zwischenstation für Ampana = Togian Inseln, wir bleiben aber 3 Nächte. Keinen Bock auf Hektik. Auspacken und ab ins Bett, ganz schön kalt hier.

Rantepao Umgebung

Rantepao Umgebung

Neben dem Totenkult der Toraja kann die Umgebung von Rantepao – der Ort selbst ist nicht so schön – mit viel Natur glänzen. Schöne Reisfelder, tolle Berge – für den einen oder anderen sind es wahrscheinlich nur Hügel und schönes Grünzeug. Mit dem Scooter haben wir dann die Umgebung unsicher gemacht. Schaut Euch dazu die Bilder nebst Kommentaren an. Ich muss mich ein bisschen kürzer fassen, denn wir sind mit unseren Berichten im Rückstand….. Unsere Unternehmungen:

  • Besuch von Felsgräbern
  • Besuch einer – blutigen – Hauseinweihung
  • Besuch eines Friedhofs ( Megalithen )
  • Besuch der Jesus Statue in Makale
Nach 22 Jahren endlich Ruhe ? Beerdigungszeremonie in Rantepao / Umgebung

Nach 22 Jahren endlich Ruhe ? Beerdigungszeremonie in Rantepao / Umgebung

Wir bekamen ebenfalls die Möglichkeit einer “ Beerdigungszeremonie “ beizuwohnen. Die Tour kann angeblich nur mit einem Guide gebucht werden, dem ist aber NICHT so. Wir haben uns trotzdem einen Guide genommen, denn es gilt ein paar Regeln einzuhalten. Wir haben dann IDR 550.000 für die Tour und IDR 250.000 für das Gastgeschenk bezahlt ( Zigaretten ;-)). Wir haben uns noch zwei weitere Reisende dazu genommen ( Emily aus Irland und Udo aus Ingolstadt ). So hatten wir jeder IDR 200.000 auf der Uhr. Die Tour beinhaltet eine kleine Wanderung durch die Reisefelder, der Besuch einer Familie deren Vater vor 4 Jahren verstorben ist ( Vaddi / Opa wohnt noch bis zur Beerdigung im Haus ), Besuch der Zeremonie, das Gastgeschenk in Form einer Stange Zigaretten sowie einem Stierkampf nach der Zeremonie. Die Feierlichkeiten dauern insgesamt 5 Tage.

Zunächst ging es per Scooter zu dem Haus der Familie des Verstorbenen. Dort angekommen stellte unser Gude fest, dass der Sohn Eintritt für die “ Besichtigung “ seines Vaters verlangt ( Was für eine Überraschung… ). Immerhin IDR 200.000…. Wir wollen das natürlich mal “ live “ sehen, also teilten wir uns den Spaß, wobei unser Guide “ Erwin “ IDR 100.000 ( von unserem Geld ) dazu beisteuerte. Es hieß Schuhe ausziehen und wir betraten das Wohnhaus. Da stand er nun der Sarg. Mit etwas Mühe wurde der Sargdeckel entfernt und wir hatten freie Sicht auf den Toten Menschen. Ist schon seltsam, hier aber ganz normal. Der Tote bleibt bis zur Beerdigungszeremonie ein Familienmitglied und gilt als maximal Krank aber nicht Tot. Der “ kranke “ Mensch wird mit Geld, Essen und Trinken regelmäßig versorgt. Der “ kranke / Tote “ kann erst dann den Schritt ins Paradies machen wenn eine gewisse Anzahl von Büffeln – je nach Kaste / Stand der Familie – zur Verfügung steht. Hier streiten sich die Gelehrten, denn wir haben unterschiedliche Versionen gehört. Es geht von Minimum einem Büffel bis zu max. 25 Büffeln aufwärts, die bei der Beerdigungszeremonie geopfert werden. Wir trafen einen “ local “ am Vortag dessen Vater vor 5 Monaten gestorben ist und dieser will sage und schreibe 100 !! Büffel opfern. Es gilt als ganz besonders, wenn so viel wie möglich Albinobüffel geopfert werden. Genauso wie bei uns mit Autos wird hier mit Büffeln geprotzt…. Wir haben einen Albinobüffel im Wert von IDR 500.000.000 ( ca. EUR 35.000,00 ) bei dem Kollegen an der Garage gesehen. Eine Zeremonie kann auch gern mal EUR 500.000 verschlingen. Wir unterhielten uns noch ein wenig mit dem Sohn, der uns dann auch noch anbot in seinem Haus zu übernachten. Es waren wohl auch gerade ein paar Deutsche dort. Mal abgesehen von dem Toten im Haus, war uns die Unterkunft aber zu teuer. Der Kollege wollte IDR 300.000 pro Person haben.

Nach 2 Stunden Fußmarsch durch die Natur erreichten wir unsere nächste Station, das Areal der Beerdigungszeremonie. Die Wanderung war ganz schön, aber alles viel zu schnell. Deshalb versuchen wir auch immer unser Ding zu machen. Es herrschte einiges an Betriebsamkeit, einige ausgeblutete Schweine säumten den Weg. Eine kleine Minderheit aus dem Gebiet richten die Beerdigungen aus. Hier wird gebastelt und gewerkelt, Wahnsinn was die hier auf die Beine gestellt haben. Provisorische Tribünen inkl. Schlafmöglichkeiten und Küchen für bestimmt 1000 Besucher. Wir besuchten den Tag 1 der Zeremonie und das bedeutet; der Sarg wird durch das Dorf getragen, der Sarg kommt in eine Gruft – kleines Häuschen siehe Bilder, die Opferbüffel werden gezeigt, es folgt eine unendlich lange Rede von ca. 45 Minuten über das Leben des Verstorbenen. Ach ja, das hatten wir noch gar nicht erwähnt. Hier wird ein Leiche “ beerdigt „, die schon vor 22 Jahren verstorben ist. Die Familie hat also 22 Jahre gebraucht um die notwendigen Büffel aufzutreiben bzw. zu bezahlen. Wahnsinn…… Zu guter letzt, damit die Tote auch den Weg ins Paradies findet, wird zunächst einer der Büffel in der Mitte des Platzes geopfert. Der Tag wird sollte dann mit einem Stierkampf enden aber dazu kam es nicht, denn eine Partei wollte nicht auf den Ausgang des Kampfes wetten….;-).

Die Opferung der Schweine und des Büffels hat uns schon gereicht. Jetzt stelle man sich mal vor es werden 100 Büffel geopfert. Nicht unser Ding, aber wie auch schon die Ma’nene Zermonie, eben eine andere Kultur. Das Fleisch der Schweine und Büffel wird an die Gäste und die umliegende Bevölkerung verteilt. Wir haben auch dazu unsere Gedanken noch nicht ordnen können. Das für uns wahllose töten der Tiere bzw. der Umgang mit den Lebewesen ist für uns nicht nachvollziehbar, aber sind wir besser / anders ?

Schön Dich mal wieder zu sehen / Ma’nene – Totenkult der Toraja

Schön Dich mal wieder zu sehen / Ma’nene – Totenkult der Toraja

Die Toten Rituale in der Region Toraja sind legendär – und deshalb ein Muß für jeden Sulawesi Besucher  – auch wenn es sich makaber anhört. Diese Tradition wird bereits seit Jahrhunderten gepflegt und ist nichts für empfindliche Nasen bzw. Gemüter. Je nach Region / Ort / Dorf werden die Toten ( Skelette, Mumien ) jährlich – wohl immer im August – aus den Särgen geholt um die Toten zu reinigen, mit neuer Kleider auszustatten, einen kleinen Klönschnack zu halten oder eben auch ein “ aktuelles “ Photo  mit dem geliebten Menschen zu schießen. Natürlich wird auch getrauert. Im Mittelpunkt steht aber ein wenig Zeit mit der “ Familie “ zu verbringen und vor allem den Kontakt zu den Toten nicht zu verlieren. Für unsere Ohren hört es sich schräg an und sieht auch vielfach gruselig aus, aber so ist nun mal mit fremden Kulturen. Touristen sind bei der Zeremonie herzlich willkommen. Wir wurden sogar gefragt ob wir ein Photo zusammen mit der Familie und den Toten machen wollen. Wir lehnten dankbar ab, die Familie hatte Verständnis, hätte sich aber auch gefreut. Die ewige Präsenz des Todes im Leben, bei den Toraja gehört es dazu. Das Ganze hat so einen halben Tag gedauert. Am Ende wurden die Toten dann wieder in Tücher gewickelt und in die Särge gepackt. Danach ging es wieder in die Familiengruft. Im Gegensatz zu vielen anderen Regionen sind die meisten Toraja Christen ( missioniert von unseren Nachbar aus Holland ). Die christliche Totenruhe wird – aufgrund der Tradition – flexibel ausgelegt. Die Toten zu ehren, schützt die Lebenden vor bösen Geistern, so heisst es. Wir müssen unsere Gedanken erstmal ordnen, denn das war schon echt krass, aufregend, spannend, interessant in einem.

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